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Hallo, ist da jemand?
In den letzten Tagen habe ich immer öfter das merkwürdige Gefühl, mit imaginären Personen, Firmen oder E-Mailaccounts zu kommunizieren. Es ist fast schon geisterhaft. Man schreibt, bietet an, informiert und es passiert: …NICHTS.
Wann haben große Teile der Menschheit aufgehört, auf angeforderte! Angebote, Mails oder Informationen zu reagieren? Liegt es an der allgemeinen Reizüberflutung, der wir täglich ausgeliefert sind? Werden so viele Anbieter angefragt, dass man sich nicht mehr die Mühe machen will, auf ein Angebot auch nur noch zu reagieren? Besteht vielleicht die Möglichkeit, wenigstens ein “Dankeschön, hat sich erledigt” an den Verfasser zu senden (der mit der Ausarbeitung des Angebots ja auch Aufwand hatte) oder ist in unserem hektischen Alltag selbst das zu viel verlangt?
Auf Toiletten liest man des öfteren: “Bitte verlassen Sie diesen Ort so, wie Sie ihn anzutreffen wünschen”. Alternativ geht auch der alte Spruch “Wie man in den Wald hineinruft…” Gilt das für unseren Alltag nicht mehr?
Mich persönlich trifft es, wenn mein Gegenüber es nicht für notwendig befindet, sich an die Spielregeln der höflichen Kommunikation zu halten. Aber auch ich komme immer wieder mal an den Punkt, an dem ich überlege, wo wir eine Grenze ziehen dürfen oder sogar müssen! Antworte ich noch auf unaufgeforderte Bewerbungen, die in mein Mailfach trudeln? Oder auf einige “Sammel-SMS” die z.B. an Silvester auf meinem Handy auftauchen: “Euch allen ein gutes Jahr…”?
Ich für mich habe so entschieden: Wenn sich jemand persönlich die Mühe macht und mich direkt anspricht möchte ich gerne anworten. Ich finde, dieser “Aufwand” sollte wertgeschätzt werden. Bei “Sehr geehrte Damen und Herren” oder “Ihr alle” fühle ich mich nicht direkt angesprochen und kann dann auch mit keiner Antwort an die Person gut leben.
Freundschaft, Freundschaft über alles!
Den letzten Samstag hatte ich dazu genutzt, im Büro ein wenig Ordnung zu schaffen, ein bisschen Ablage zu machen und alles was sich sonst noch so ansammelt an Dingen, um die man sich gerne mal kurz drückt. Drinnen fertig gings draussen weiter: Neben der Eingangstüre steht ein kleiner Pflanzkübel, der auf Grund meines braunen Daumens in letzer Zeit eher einen dürren Eindruck erweckt hat. Bei meinem Ausflug in den örtlichen Baumarkt habe ich ein paar hübsche Blümchen ergattert, sie gleich eingebuddelt und mir über den Anblick ein Loch in den Bauch gefreut.
Wenn etwas schön blüht trotz dem aktuellen Wetter kann man gleich viel besser Arbeiten. Mit einem breiten Lächeln sezte ich mich dann wieder an den Schreibtisch. Nach ungefähr einer Stunde – bei einem Kaffeehol-Ausflug in die Küche – warf ich (immer noch mit breitem Lächeln) einen Blick zur Tür und sah ein ca. 10-jähriges Mädchen, das eine von meinen Tagedes (das sind die Blümchen die ich eingebuddelt hatte) in der Hand hielt.
Mit einem Aufschrei der Empörung hechtete ich zur Tür um die Übeltäterin ins Verhör zu nehmen. Neben der jungen Dame sah ich ein weiteres Mädchen an der Treppe und ein zweites Loch in meinem Pflanzkübel. Auf meine Fragen, wer sie ist, was sie sich eigentlich denkt und wo überhaupt mein zweites Blümchen hingekommen ist schaute sie mich perplex an und sagte dann (mein Blümchen in der Hand) “Das war ich nicht!” Zeitgleich antwortete ihre kleine Freundin “Ich hab dir ja gleich gesagt, das du das nicht machen sollst”.
Ich weiß nicht, wer von uns beiden (Blümchendiebin oder ich) erstaunter war. Trotzdem ließ ich mich in meinem Ärger nicht aufhalten und fragte die Kleine, wo sie wohnt. Sie guckte mich ängstlich an und sagte “Das weiß ich nicht so genau”. Und wieder mit keiner Sekunde Verzögerung ihre Freundin von rechts: “Da nebenan in dem Haus”.
Ich musste mich ein bisschen beherrschen um mein Lachen zu unterdrücken, nahm der Kleinen meine Tagedes aus der Hand um sie wieder im Kübel einzubuddeln und sagte ihr dass sie gefälligst mein zweites Blümchen vom Parkplatz retten und ihre Mutter holen soll. Der Rest ist schnell erzählt: Die Mama kam, die Kleine hat sich unter Tränen entschuldigt und ich hatte wieder alle Blümchen im Kübel.
Was mich jedoch bis heute noch wundert ist die Tatsache, dass die beiden Mädels bereits 10 Minuten nach der Episode wieder friedlich zusammen vor der Türe gespielt haben…
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